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Aktuell  27.09.2021

London gerät ins Wanken

Großbritannien und insbesondere London brauchen dringend Reformen in Bereichen wie Steuer- und Arbeitsrecht, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern und die Position als weltweit führender Finanzstandort zu sichern.

Dazu mahnt TheCityUK, eine einflussreiche Lobbying-Organisation der britischen Finanzbranche. Sie präsentiert eine neue Strategie, 'die darauf abzielt, Großbritannien innerhalb von fünf Jahren wieder zum weltweit führenden internationalen Finanzzentrum zu machen'.

Noch gilt London als ein führendes Finanzzentrum, doch auf solchen Lorbeeren sollte sich nicht ausgeruht werden. 'Eines der größten Risiken für erfolgreiche Finanzzentren ist Selbstgefälligkeit. Europa ist übersät mit Städten, die einst führendes internationales Zentrum ihrer Zeit waren', warnt TheCityUK-CEO Miles Celic. Trotz des Wachstums in vielen Bereichen habe der britische Finanzstandort im vergangenen Jahrzehnt relativ zu internationalen Konkurrenten eingebüßt. Dafür sind laut TheCityUK unter anderem das Wachstum neuer Finanzzentren in Asien und anhaltende Fortschritte in den USA verantwortlich.

Mit dutzenden Unternehmen aus der Finanzbranche hat TheCityUK daher eine Strategie ausgearbeitet, mit der Großbritannien 'in fünf Jahren die Führungsrolle bei Finanzzentren zurückerobern' soll. Wirtschaft, Regierung und Regulatoren müssten ernsthafte und nachhaltige Anstrengungen unternehmen, um das wirklich zu erreichen. Ein Teil der Forderungen bezieht sich nicht zuletzt auf Probleme, die der Brexit und der gerade aus Sicht der Finanzbranche schwache Nachfolgevertrag mit der EU mit sich gebracht haben.

So fordert TheCityUK ein Handelsabkommen mit der EU, das im Gegensatz oder ergänzend zum derzeit bestehenden auch Finanzdienstleistungen abdeckt, um den Zugang zum europäischen Markt zu erleichtern. Ebenso auf dem Plan steht ein leichterer, günstigerer Zugang zu Visa für qualifizierte Kräfte, wie sie mittlerweile ja auch jene aus der EU benötigen.

Weitere Punkte der Strategie umfassen die Entwicklung neuer globaler Märkte, die Liberalisierung des Handels mit aufstrebenden Märkten und die Stärkung Großbritanniens als Standort, über den Investoren Zugang zu Märkten weltweit finden. Wichtig sei auch, dass Großbritannien bei Fintechs und Innovationen Spitzenreiter bleibt. Um ausländische Direktinvestitionen zu fördern, solle es eine Steuerreform im Bereich Finanzdienstleistungen geben.

Inflationsschock

Egal, ob bei Lebensmitteln, Energie oder Autos - Großbritanniens Bürger müssen für wichtige Güter des Alltags nach dem Brexit immer tiefer in die Tasche greifen. Laut aktuellen Daten des Office for National Statistics (ONS) ist der Konsumentenpreisindex (KPI) in den zwölf Monaten bis August 2021 um 3,2 Prozent gestiegen. Das entspricht dem größten Jahr-für-Zuwachs seit Beginn der Aufzeichnungen 1997.

'Die Inflationsraten sind zum jetzigen Zeitpunkt direkt von den Effekten der Corona-Lockdowns im Jahr 2020 beeinflusst', so das ONS. Wie genau diese Effekte im Zusammenhang mit den Preisen für bestimmte Güter und deren Einfluss auf die gegenwärtige Inflationslage zu sehen sind, habe die Behörde bereits separat in ihrem Blog 'Beware Base Effects' erläutert. Fest stehe jedenfalls, dass der KPI ein neues Rekordwachstum aufweise. 'Im Juli lag der Wert noch um zwei Prozent höher als im Vorjahr', erklären die Experten.

Diese betonen gleichzeitig aber, dass es sich beim überverhältnismäßig groß ausgefallenen Anstieg des KPI durchaus auch nur um einen 'temporären Effekt' handeln könnte. 'Im August 2020 waren viele Preise in Restaurants und Cafés aufgrund des 'Eat Out to Help Out'-Plans der Regierung noch reduziert. Dieser erlaubte es Konsumenten, Lebensmittel und Getränke zum halben Preis zu bekommen. Weil dies aber mittlerweile ausgelaufen ist, ist der große Anstieg im August wahrscheinlich nur zeitlich begrenzt', so die Einschätzung.

Für Samuel Tombs, Chief U.K. Economist bei der Wirtschaftsforschungsberatung Pantheon Macroeconomics, könnte der gegenwärtige Rekordanstieg des KPI in Großbritannien aber auch andere konkrete Ursachen haben. 'Der Anstieg von Monat zu Monat, der deutlich über dem üblichen Schnitt liegt, geht hauptsächlich auf die riesigen Preissprünge von 4,9 Prozent bei Gebrauchtwagen zurück. Das hat die Inflationsrate in diesem Bereich auf 18,3 Prozent hochgetrieben', meint Tombs. Im September sollte sich der KPI dann wieder auf gemäßigterem Niveau einpendeln, so der Experte.

pte/red

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#Brexit #Standort #London #Europa



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